Klartext mit Herz #4: Claudia Petermann - Meine Stimme als Wirkungsinstrument

Klartext mit Herz #4: Claudia Petermann - Meine Stimme als Wirkungsinstrument

Klartext mit Herz #4: Claudia Petermann - Meine Stimme als Wirkungsinstrument

11.02.2026

Deine Stimme sagt mehr, als du denkst

🎙️ Neue Folge „Klartext mit Herz": Über Sprechwirkung, die Kraft der Pause und warum Perfektion eine Falle ist

Du sprichst. Jeden Tag. In Meetings, in Gesprächen, vor Gruppen, am Telefon. Aber wie oft hast du wirklich nachgedacht, wie du klingst – und was das mit deinem Gegenüber macht? Nicht im Sinne von Selbstkritik. Sondern aus echter Neugier: Was passiert eigentlich, wenn deine Stimme den Raum betritt?

In dieser Folge von „Klartext mit Herz" spricht Stefan mit Claudia Petermann, Diplom-Sprechwissenschaftlerin aus Mannheim. Das Gespräch ist ein kleines Wunder an Praxisnähe – und es beginnt mit einer Unterscheidung, die viele überrascht.

Sprechwissenschaft ist nicht Sprachwissenschaft, und dieser Unterschied zählt

Claudia erklärt es früh und mit entwaffnender Klarheit: Sprachwissenschaft untersucht Sprache als System – Grammatik, Syntax, Bedeutung. Sprechwissenschaft interessiert sich für etwas anderes: Was passiert, wenn Sprache gesprochen wird?Wie klingt sie? Wie wirkt sie? Und warum entscheidet das darüber, ob jemand dir zuhört – oder nur so tut, als würde er es.

Wer das einmal verstanden hat, hört Gespräche anders.

Die Stimme als Spiegel und als Instrument

Eines der zentralen Bilder der Folge: Die Stimme als Sportler. Sie braucht Warm-up. Sie braucht Training. Und sie braucht Pflege – gerade dann, wenn viel von ihr verlangt wird. Claudia spricht über sogenannte „wilde Übungen" wie Lippenflattern oder stimmliche Aufwärmrituale, die nach außen vielleicht seltsam aussehen, aber innen den Unterschied machen.

Das klingt technisch. Ist es aber nicht – denn dahinter steckt ein Gedanke, der sich durch die gesamte Folge zieht: Stimme ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Körper, Haltung, Atem und – das ist der Teil, der überrascht – von Struktur im Kopf.

Warum Struktur klingt

Wer klar denkt, spricht klarer. Das ist keine Metapher. Claudia erklärt, wie innere Unklarheit sich direkt auf den Klang überträgt: im Tempo, im Zögern, in der fehlenden Energie am Ende eines Satzes. Wer hingegen weiß, was er sagen will – und warum – trägt diese Klarheit mit in den Körper. Und von dort in die Stimme.

Das bedeutet: Stimmarbeit beginnt manchmal nicht mit dem Mund, sondern mit dem Gedanken davor.

Die Pause ist kein Fehler, sie ist das Werkzeug

Was ist der häufigste Fehler in Vorträgen, Präsentationen, Gesprächen? Laut Claudia: keine Pausen zu machen. Das Tempo hochzuhalten, weil Stille sich falsch anfühlt. Weil man befürchtet, den Faden zu verlieren oder Schwäche zu zeigen.

Dabei ist die Pause das Gegenteil von Schwäche. Sie gibt dem Gehörten Raum. Sie signalisiert Souveränität. Und sie erlaubt dem Zuhörer, das Gesagte wirklich ankommen zu lassen.

Wer gelernt hat, Pausen zu halten, verändert damit die Wirkung seiner gesamten Kommunikation.

Nervosität, Atem, Haltung: Der Dreiklang, der entscheidet

Warum wird die Stimme unter Stress höher und enger? Claudia erklärt die Physiologie dahinter – und was man tut, wenn man spürt, dass es passiert. Die Antworten sind überraschend zugänglich: Atem. Haltung. Und das Wissen, dass Nervosität keine Fehlfunktion ist, sondern ein Signal, das man nutzen kann.

Wer aufrecht steht, tief atmet und den Körper als Resonanzraum begreift, klingt nicht nur souveräner – er fühlt sich auch so.

„Ich mag meine Stimme nicht"

Fast jeder kennt dieses Unbehagen, wenn man sich auf einer Aufnahme hört. Claudia erklärt, warum: Wir kennen unsere eigene Stimme hauptsächlich von innen – durch Knochenleitung. Die Aufnahme zeigt uns, was andere hören. Das ist buchstäblich eine andere Stimme als die, die wir gewohnt sind.

Kein Grund zur Sorge. Aber ein guter Grund, achtsamer zuzuhören – sich selbst und anderen.

Perfektion ist eine Falle, und Fehler machen sympathisch

Einer der befreiendsten Momente der Folge: Claudia plädiert offen dafür, Fehler zuzulassen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus einem tiefen Verständnis dafür, wie Wirkung entsteht. Wer perfekt klingen will, klingt oft steif. Wer präsent ist, lebendig und echt – der wird gehört. Und gemocht.

Das ist keine Einladung zur Vorbereitung loszulassen. Sondern eine Einladung, Kontrolle und Lebendigkeit nicht als Gegensätze zu sehen.

Und zum Schluss: die Gähnweite

Claudias liebste Intervention ist so einfach, dass man sie sofort ausprobieren will: die Gähnweite – ein innerliches Öffnen des Rachenraums, das die Stimme sofort voller, resonanter und raumfüllender macht. Kein Equipment nötig. Kein Kurs. Nur ein Moment Bewusstsein für das, was im Körper passiert.

Mehr über Claudia Petermann und ihre Arbeit als Sprechwissenschaftlerin findest du unter sprechzimmer-mannheim.de

👉 Direkt bei Spotify hören

Die Frage, die bleibt:

Wann hast du zuletzt wirklich auf deine eigene Stimme geachtet – nicht was du gesagt hast, sondern wie es geklungen hat?

„Klartext mit Herz" ist der Podcast des Ressourcenkraftwerks – für alle, die in Tiefe und Lebendigkeit keine Gegensätze sehen.