
22.04.2026

Führung ist keine Rolle, sie ist eine Haltung
🎙️ Neue Folge „Klartext mit Herz": Über Klarheit, Loyalität und die Frage, was gute Führung im Mittelstand heute wirklich bedeutet
Führung ist gerade überall Thema. New Work, agile Teams, Servant Leadership, Purpose-driven Organizations: Die Konzepte stapeln sich. Und doch begegnet man in der Praxis immer wieder derselben Frage: Was davon trägt wirklich, wenn es konkret wird? Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, die nicht alle glücklich machen? Wenn Werte auf Wirtschaftlichkeit treffen und beide Seiten Recht haben?
In dieser Folge von „Klartext mit Herz" spricht Stefan Rudel mit Maximilian Zöpel von der eves Gruppe. Einem Mann, der Führung nicht als Konzept kennt, sondern als tägliche Praxis. Zwischen Holding, Tochterunternehmen und operativer Verantwortung. Mit allem, was dazugehört.
Vier Firmen, viele Rollen – und die Frage nach der richtigen Flughöhe
Maximilian gibt früh im Gespräch einen Einblick in den Alltag, der seine Führungsrolle prägt: Eine Unternehmensgruppe mit mehreren Gesellschaften, unterschiedlichen Teams, verschiedenen Reifegraden und dem ständigen Balanceakt zwischen strategischer Perspektive und operativer Notwendigkeit.
Was er dabei gelernt hat: Führung ist nicht eine Sache. Sie ist viele, je nachdem, wo man gerade gebraucht wird. Manchmal braucht es Überblick. Manchmal Nähe. Manchmal beides gleichzeitig. Die Fähigkeit, diese Ebenen bewusst zu wechseln, ohne den Faden zu verlieren, ist eine der unterschätztesten Kompetenzen in der Führung.
Weder rein autoritär noch rein agil: Warum der richtige Mix zählt
Eines der ehrlichsten Statements der Folge kommt früh: Wer glaubt, Führung lasse sich auf ein Modell reduzieren, hat noch nicht genug geführt. Maximilian spricht über den Mythos der rein agilen Organisation und über das, was passiert, wenn Entscheidungsfreiheit ohne Orientierung kommt.
Teams brauchen beides: den Raum, eigenverantwortlich zu handeln. Und die Klarheit, wohin die Reise geht. Führung, die nur eines davon liefert, lässt Menschen entweder gelähmt zurück oder allein.
Der richtige Mix, so Maximilian, ist kein Kompromiss zwischen zwei Extremen. Er ist eine bewusste Entscheidung, für jede Situation neu.
Klarheit und Loyalität: Was Maximilian als Führungskraft ausmacht
Wenn Maximilian beschreibt, wofür er in der Führung steht, kommen zwei Worte immer wieder: Klarheit und Loyalität. Nicht als Schlagworte, sondern als gelebte Haltung.
Klarheit bedeutet für ihn: sagen, was ist. Auch wenn es unbequem ist. Auch wenn es Reibung erzeugt. Wer als Führungskraft anfängt, Botschaften weichzuspülen, um Konflikte zu vermeiden, verliert langfristig das Vertrauen seines Teams, weil die Menschen spüren, dass nicht alles gesagt wird.
Loyalität bedeutet: zu dem stehen, was man vertritt. Und zu den Menschen, für die man Verantwortung trägt. Beides zusammen ergibt etwas, das sich in keiner Unternehmensbroschüre abbilden lässt, aber das jede:r im Team sofort spürt, wenn es da ist. Oder wenn es fehlt.
Verantwortung tragen, ohne alles selbst zu entscheiden
Eine der zentralen Fragen des Gesprächs ist so praktisch wie grundsätzlich: Wie viel entscheidet das Team und wo liegt die Grenze? Maximilian hat eine klare Haltung dazu, und er beschreibt den Weg, auf dem er dahin gekommen ist. Nicht ohne Umwege.
Was er gelernt hat: Verantwortung abzugeben ist keine Schwäche. Es ist eine Führungsentscheidung. Und eine, die Vertrauen voraussetzt, das man aktiv aufbauen muss. Wer das überspringt und einfach delegiert, ohne das Fundament gelegt zu haben, schafft keine Selbstverantwortung. Er schafft Unsicherheit.
Werte, Kultur und warum Wohlfühlbotschaften nicht reichen
Ab Minute 39 wird das Gespräch besonders direkt. Maximilian spricht über Unternehmenskultur und warum er wenig anfangen kann mit dem, was oft darunter verstanden wird: hübsche Werte auf der Website, Team-Events als Kulturersatz, Formulierungen, die niemanden herausfordern.
Echte Kultur, sagt er, erkennt man nicht an dem, was eine Organisation über sich schreibt. Man erkennt sie daran, wie sie mit Konflikten umgeht. Wie sie Entscheidungen trifft, die wehtun. Ob sie Werte verteidigt, wenn es teuer wird.
Das ist der Moment, in dem Kultur entweder entsteht oder zerbricht.
Reibung gehört dazu und ist kein Fehler
Einer der befreiendsten Gedanken der Folge: Konflikte und Reibung sind kein Zeichen einer schlechten Unternehmenskultur. Sie sind – wenn sie konstruktiv ausgetragen werden – ein Zeichen einer gesunden.
Maximilian spricht über Streitkultur nicht als Konzept, sondern als Praxis. Was es braucht, damit Menschen sagen, was sie denken und trotzdem zusammenarbeiten. Und was passiert, wenn das nicht möglich ist: Die Meinungen verschwinden nicht. Sie gehen nur in den Flur.
Mittelstand in der Krise: Was Führung jetzt leisten muss
Das Gespräch nimmt sich auch die Zeit für das größere Bild. Der Mittelstand steht unter Druck durch Digitalisierung, durch veränderte Märkte, durch eine Generation, die andere Erwartungen an Arbeit mitbringt. Was das für Führungskräfte bedeutet, bringt Maximilian auf den Punkt: Wer jetzt wartet, verliert. Und wer reagiert statt gestaltet, verliert auch.
Digitalisierung, so seine Haltung, ist keine IT-Frage. Sie ist eine Führungsfrage. Wer sie delegiert, ohne selbst zu verstehen, was auf dem Spiel steht, gibt die Gestaltungshoheit ab.
Was junge Führungskräfte heute mitbringen sollten
Am Ende gibt Maximilian Ratschläge, die keine Ratschläge sein wollen, eher ehrliche Gedanken an jemanden, der gerade anfängt zu führen. Was er sagt, ist weder aufmunternd noch entmutigend. Es ist realistisch: Führung ist lernbar. Aber sie wird nicht im Seminar gelernt. Sie wird gelernt, indem man Entscheidungen trifft, Fehler macht, darüber nachdenkt – und weitermacht.
Mehr zur eves Gruppe findest du unter eves.de
Die Frage, die bleibt:
Wofür stehst du als Führungskraft und würden deine Mitarbeitenden dieselbe Antwort geben?
„Klartext mit Herz" ist der Podcast des Ressourcenkraftwerks – für alle, die Führung nicht als Titel verstehen, sondern als Verantwortung.