Klartext mit Herz #16: Michelle McKenna - Von Märchen bis Teams: Wie Theater Menschen bewegt

Klartext mit Herz #16: Michelle McKenna - Von Märchen bis Teams: Wie Theater Menschen bewegt

Klartext mit Herz #16: Michelle McKenna - Von Märchen bis Teams: Wie Theater Menschen bewegt

Bühne frei fürs Miteinander: Was Theater mit Menschen und Teams macht

Klartext mit Herz, Folge vom 30.09.2026 mit Michelle von McKennas Theater

Was haben ein alter Märchenkoffer, ein schüchternes Mädchen und ein durchgeschütteltes Team gemeinsam? Sie alle haben erlebt, was passiert, wenn man die Bühne betritt. In dieser Folge von Klartext mit Herz ist Michelle zu Gast. Gemeinsam mit ihrem Mann Dustin hat sie McKennas Theater in Babenhausen gegründet. Ein Gespräch mit Lea Wolf-Tanzariello darüber, warum die Bühne ein Spiegel ist, wie Theater Akzeptanz schafft und was Unternehmen davon lernen können.

Vom Hobby zum eigenen Theater

Dustin steht seit seiner Schulzeit auf der Bühne. Als Michelle ihn vor 13 Jahren kennenlernte, sprang der Funke über. Ab 2016 spielten beide in einem eigenen Theaterverein, der sich in der Pandemie auflöste. 2021, mitten in der ersten Elternzeit, wagten sie den Schritt: ein eigenes Theater, mit der Freiheit, selbst zu entscheiden.

Michelle bringt dabei einen spannenden Hintergrund mit. Nach dem Studium hat sie lange kleine und mittelständische Unternehmen beraten, mit Schwerpunkten in Coaching, Personalentwicklung, Employer Branding und Vertrieb. Dustin ist Pädagoge und Schauspieler zugleich. Genau diese Mischung prägt heute ihre Arbeit.

Nicht alle im Umfeld waren sofort überzeugt. „Das ist doch nur ein Hobby“, hieß es, und: Das dritte Jahr sei das entscheidende. Inzwischen ist es das fünfte Jahr. Und neben den regulären Jobs fließt der Großteil ihrer Arbeitszeit ins Theater. Möglich ist das mit zwei Kindern nur, weil die Großeltern mit anpacken. Michelle bringt es auf den Punkt: Es braucht ein Dorf.

Märchen ohne Staub

Ein großer Teil der Arbeit findet in Kitas, Schulen und auf Festen statt. Gespielt werden Märchen, aber neu erzählt und mit Botschaften für heute. Bei McKennas muss die Prinzessin den Frosch zum Beispiel nicht mehr küssen.

Die Idee für den „Märchenkoffer“ entstand an einer Förderschule, an der Dustin damals arbeitete. Er las fünf- bis sechsjährigen Kindern ein kurzes Märchen vor und merkte: Sie konnten es nicht wiedergeben. Nur zuhören reichte nicht. Also überlegten die beiden, wie Geschichten anders ankommen, und griffen zu kleinen Handpuppen in einem alten Koffer. Heute spielen sie auf größeren Bühnen. Die Wirkung ist geblieben: Kinder fiebern mit, bangen mit der Heldin und tauchen ganz in die Geschichte ein.

Die Bühne als Spiegel

Wer auf der Bühne präsent sein will, muss sich gut kennen. Das ist für Michelle der Kern der Theaterarbeit, bei Kindern wie bei Erwachsenen. Es geht um freies Sprechen, um Körperwahrnehmung, um die Frage: Was brauche ich heute? Ein Kind mit viel Bewegungsdrang lernt zum Beispiel, wie es diese Energie auf der Bühne für sich nutzen kann.

Besonders berührend ist die Geschichte eines Mädchens aus der Jugendgruppe. Im Alltag zurückgezogen, mit Schwierigkeiten in der Klasse. Auf der Bühne legt sie einen Schalter um und spielt andere an die Wand. Der Grund: eine Gruppe, die sie so akzeptiert, wie sie ist. Ein sicherer Raum.

Auch Grenzen sind Thema. In Übungen geht jemand auf dich zu, und du sagst Stopp. Wo liegt meine Grenze? Wie fühlt es sich an, wenn sie überschritten wird? Spielerisch zu lernen, Nein zu sagen, ist für Michelle gerade auch für Mädchen und Frauen enorm wichtig.

Und was hilft, wenn etwas peinlich ist? Mitmachen. Wenn Michelle selbst Teil der Übung wird, ist es plötzlich kollektiv peinlich. Und genau das macht es leichter.

Theater im Unternehmen: Akzeptanz statt Reibung

Auch Unternehmen holen sich McKennas Theater ins Haus. Die Anlässe kennt jede Führungskraft: Reibung im Team, viel Veränderung, eine Kollegin, die plötzlich zur Chefin wird. Vertriebsteams spielen Gespräche aus Sicht ihrer Kundschaft durch und gewinnen so neue Perspektiven. Michelle sagt mit einem Augenzwinkern: Ein Büro ist manchmal wie ein großer Kindergarten. Gemeint ist das ohne jede Wertung. Auch dort versteht man sich mit manchen besser als mit anderen.

Ein Beispiel: Ein Team im Umbruch, viele Wechsel, rund 20 Teilnehmende an zwei Workshopabenden. Zu Beginn war viel Unmut spürbar, viele waren eher geschickt als freiwillig da. In einer Dialogrunde durfte jede Person sagen, was sie beschäftigt, ohne dass kommentiert wurde. Dazu kamen Rollenspiele, Vertrauensübungen und ein gemeinsam gemeistertes Theaterstück. Am Ende hatte sich etwas gelöst. Und es wurde sichtbar, welche Strukturen das Team braucht. Eine klare Grundlage für die Führungskraft, um weiterzuarbeiten.

Wie gewinnt man die, die gar nicht da sein wollen? Michelle lässt sie erst einmal beobachten. Dann macht sie sie zu Komplizen und bittet um Unterstützung, etwa beim Anleiten einer Übung. Und wenn jemand nur zuschauen möchte, ist auch das in Ordnung. Ein kleiner Junge saß zwei Jahre lang nur am Rand und war begeistert dabei. Alles darf sein. Diese Haltung trägt.

Neben Teamformaten gibt es auch Einzelcoachings zur eigenen Wirkung und Präsenz, mit Hinweisen zu Haltung, Sprache und Aussprache. Für Spezialthemen wie Improvisation oder Stimme greifen Michelle und Dustin auf ein starkes Netzwerk zurück, etwa eine Impro-Theater-Kollegin und eine Stimm- und Sprechtrainerin.

Was Führungskräfte daraus mitnehmen können

  • Akzeptanz entsteht im gemeinsamen Erleben. Wer zusammen etwas wagt, wächst zusammen.

  • Zuhören ohne Kommentar öffnet Türen. Eine einfache Dialogrunde kann mehr lösen als jede Präsentation.

  • Widerstand darf da sein. Wer nicht gezwungen wird, öffnet sich oft von selbst.

  • Perspektivwechsel schafft Empathie. Wer jemand anderen spielt, versteht ihn besser.

Mehr Kultur für Babenhausen

Von Anfang an war es Michelle und Dustin wichtig, das kulturelle Leben in Babenhausen zu bereichern. Ein sichtbares Ergebnis ist das Local Heroes Festival an der Stadtmühle. Das Festival gab es zuvor in kleinerer Form. Nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister wurde McKennas Theater Kooperationspartner der städtischen Abteilung für Jugend, Sport und Kultur und hat das Fest gemeinsam mit ihr deutlich vergrößert. Regionale Künstlerinnen und Künstler bekommen hier eine Bühne, auch die, die noch nicht jeder kennt. Denn ohne Publikum für neue Talente gibt es irgendwann keine Kultur mehr vor Ort.

Die Planung für das nächste Jahr startet bereits im Spätsommer, mit rund einem Jahr Vorlauf und vielen Sponsoren, ohne die das Festival nicht möglich wäre. Dazu kommen Krimidinner, Theater für Erwachsene und eine herzliche Kooperation mit der Gärtnerei Winkler in Hergershausen, wo im Zaubergarten und neuerdings im Gewächshaus gespielt wird. Ganz neu ist ab Oktober eine Jugendtheatergruppe.

Und ein Herzenswunsch für die Zukunft: wieder ein Projekt mit Seniorinnen und Senioren. Bei einem Mitmachmärchen in einem Seniorenheim begann eine Bewohnerin, die seit ihrem Einzug nicht gesprochen hatte, wieder zu sprechen. Ein Moment, der zeigt, wie tief Geschichten berühren können.

Ein Aufruf zum Schluss

McKennas Theater hat bisher keine eigenen Räume. Jede Probe und jedes Krimidinner bedeutet Kulissen auf- und abbauen, Getränke organisieren, Orte suchen. Wer in Babenhausen und Umgebung Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung stellen kann, meldet sich gern direkt bei Michelle und Dustin unter willkommen@mckennas-theater.de.

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